SMALL, SMART, SEXY und SUSTAINABLE – Auf dem Weg zu einer neuen Mobilitätsvision


Prof. Dr. Eckehard Fozzy Moritz

Challenge

Die Fokussierung von Verkehr auf Auto, Bus und Bahn hat zwar noch nicht ausgedient, aber im Sinne von Umwelt, Gesellschaft und Lebensqualität sind neue Mobilitätsansätze dringend erforderlich! Und diese werden sicher kommen; früher oder später, so oder so! Um diesen Prozess zu fördern und zu beschleunigen ist eine neue Mobilitätsvision ein wesentliches Vehikel. Als Einstieg in die Entwicklung einer solchen schlage ich im Folgenden vor, die der Zukunft in einer Verbindung der Qualitäten Small, Smart, Sexy und Sustainable zu denken und zu realisieren.

Storyline

Zugegeben: „Neue Mobilitätsvision“ klingt reichlich hochtrabend. Aber dergleichen wurde gefordert; auf dem zweiten ispo innovation forum im Rahmen der BIKE EXPO München. Doch warum?

Zunächst einige Hintergründe: Ziel des von der SportKreativWerkstatt GmbH organisierten Forums war es, Entscheidungsträger von Unternehmen und Organisationen zusammenzubringen, um Innovationspotenziale für Kleinstfahrzeuge aufzuzeigen und erste Realisierungsprojekte anzustoßen. Zwar wurde das Forum, dem Anlass entsprechend, unter dem Titel „The Future of Bike Mobility“ angekündigt – doch schon in der Einführung haben wir klargestellt, dass die Idee von „Bike“ gleich in mehrfacher Hinsicht viel zu beschränkt ist. Unter anderem:

  • deckt das derzeitige Verständnis von „Fahrrad“ nur einen Teil des Innovationsfeldes „Kleinstfahrzeuge“ ab. Fahrzeuge mit Elektroantrieb (Segway und hoffentlich bald entstehende nützlichere Alternativen…), Elektro-Muskel-Hybride (Pedelec), Logistikfahrräder und Westentaschenskates sind nur einige Beispiele.
  • muss neben dem Vehikel selbst auch das Umfeld mit betrachtet und gestaltet werden. Das fängt bei Business-Fahrradkleidung und Fahrrad-Navis an, geht über neue Sicherheitskonzepte und Serviceangebote (Radl-Pit-Stop) bis hin zu verbesserter Infrastruktur (All-Vehikel-Zonen in Städten), neuen Anreizsystemen (mehr Steuerentlastung als beim Auto im Pendelverkehr) und weiteren Fördermaßnahmen.

Die notorischen Bastler werden jetzt sagen: „Das gibt es doch alles schon… “ und die professionellen Bedenkenträger ergänzen süffisant: „… und mit wenig Erfolg.“ Doch davon stimmt nur die zweite Aussage. Denn es gibt bisher eben gerade nicht systemisch durchdachte und auf Massenproduktion und -nutzung optimierte neue Mobilitätsvehikel: Bislang wird für die Entwicklung eines Zigarettenanzünders in einem neuen Automodell mehr Geld ausgegeben als für die Entwicklung einer ganzen neuen Fahrradlinie. Als Umfeld gibt es bisher in erster Linie mehr oder weniger gute Radwege – und die kommen in Städten schon wieder aus der Mode, da sie bei dem steigenden Alltags-Fahrradverkehr mittlerweile viel gefährlicher sind als die Straße selbst. Und nur aus diesen Gründen haben die Bedenkenträger und Autooptimierer Recht – aber sie werden sich umschauen, wenn plötzlich ein schlagkräftiger Player oder ein Netzwerk Ernst macht mit Mobilitätsinnovationen. Ein Apple I-Mobil, und Lifestyle im Kleinstformat, könnte der Autoindustrie auf einen Schlag mehr schaden als die Anstrengungen aller asiatischen Autobauer zusammen.

Eins ist klar: Um etwas für eine gesunde Zukunft der zu erreichen, muss Schluss sein mit nur dem Klein-Klein von engagierten Erfindern und überzeugten Ökos. Diese dienen nur fallweise als Alibi oder werden milde belächelt – sie entfalten jedoch wenig Breitenwirkung. Wir müssen also Energien, Initiativen, Finanzen, Herzblut und weitere Ressourcen bündeln, um überzeugende neue Produkt- und Systemlösungen zu entwickeln und durchzusetzen. Und damit dies gelingt, endlich bin ich wieder beim Thema, brauchen wir als Leitbild eine ; eine von der der Zukunft.

Nun haben Systemvisionen den Nachteil, gleichzeitig von großer Bedeutung und hoher Komplexität zu sein: Sie werden gebraucht, um systemische Lösungen zu erzeugen, und lassen sich doch kaum breit kommunizieren und erst recht nicht einfach verstehen und „nutzen“. Um hier einen Einstieg zu finden, habe ich als Speerspitze einer zukünftiger daher die vier Begriffe Small, Smart, Sexy und Sustainable gewählt:

  • SMALL, da durch neue Materialen, Sicherheitskonzepte und Kommunikationstechnologien Fahrzeuge aller Art heute wesentlich kleiner gebaut werden können und sollten. Klein heißt wenig Platzverbrauch, wenig Energiebedarf und wenig Lärm. Dabei darf man nicht beim Autogewicht kilo- und zentimeterweise reduzieren, sondern muss Fahrzeuge völlig neu denken.
  • SMART, denn alle Technologiepotenziale sollten auch für Innovationen bei Kleinstfahrzeugen soweit irgend sinnvoll genutzt werden. Fahrsicherheit durch Sensoren und Schwarmkonzepte, Diebstahlsicherheit durch RFID und Lenkradschloss, Witterungsschutz per Knopfdruck durch High-Tech-Materialien, durch Biometrie gestützte Miet- und Leihsysteme und ähnliches mehr.
  • SEXY, damit Schluss ist mit der Vorstellung, Lifestyle könne alleine durch ein Auto klassischen Stils erlebt und demonstriert werden. Die der Zukunft wird in der Breite durch und durch öko sein – aber sie wird umso erfolgreicher werden, je weniger man es ihr ansieht.
  • SUSTAINABLE, um klar zu stellen, dass nicht nur die selbst, sondern auch alle Elemente von und Verkehr im Sinne von gedacht und realisiert werden: Ausrollbare Fahrbahnen aus Recyclingmaterial mit Bio-Haftbeschichtung, Business-Radanzüge aus Hanf mit Bienenwachskonzentrat, Community-Sharing-Systeme für arme Dörfer in Ecuador usw.

Nein, all das ist noch keine Mobilitätsvision. Aber ein Anfang hierzu. Und die Arbeit wird fortgesetzt; versprochen! Jegliche Hilfe dabei ist jederzeit willkommen!


Suggestions

Dies ist der erste Blog, bei dem ich mir gar nicht viel ausdenken muss an Vorschlägen zur Gestaltung von Innovationen. Tolle Initiativen sind schon angelaufen – und jeder, der mitgestalten will, muss im Prinzip nur noch einsteigen und die Türen… offenlassen!

  • Drei Projekte sind im ispo innovation forum identifiziert und auf die Schiene gehoben worden: „ als Lifestyle“ in München, „Slowdown Europe“ zur Verbindung europäischer Initiativen und „E-Bike-Sharing Systems“ zur Erarbeitung von technischen und organisatorischen Grundlagen der Verbreitung von Elektrofahrrädern.
  • Das Denken und Handeln geht weiter. Die nächste Station findet am 11. September in der BMW-Welt München statt. Zu der Impulskonferenz „ trotz(t) Krise“ laden der Deutsche Naturschutzring und das forum Nachhaltig Wirtschaften Entscheider und Zukunftsgestalter aus Naturschutzverbänden, Wirtschaft, Politik und Medien ein, um den konstruktiven Dialog zu suchen (www.verantwortungjetzt.de). Der ThinkTank wird dabei von der SportKreativWerkstatt maßgeblich mit gestaltet: Seien Sei dabei!

Natürlich ist es damit noch nicht getan. Doch weitere Blogs zu dem Thema, und vor allem weitere Initiativen und Aktivitäten, werden folgen. Sehr bald!

Questions

  1. Welche Aspekte gehören noch zu einer „neuen Mobilitätsvision“?
  2. Wie kann man die Lobbyarbeit zur Realisierung dieser neuen Mobilitätsvision so gestalten, dass diese effektiv mit anderen Lobbys konkurrieren kann?
  3. Wie kann man das weltweite Lernen von einander in diesem wichtigen Bereich unterstützen und fördern?

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