Challenge:
Prävention ist ein beliebtes Wort mit wenig Tat… was angesichts der dramatischen Entwicklungen in Demographie und Gesundheitswesen nicht länger hingenommen werden darf. Dies betrifft auch und gerade den Arbeitsplatz; umso mehr, als Maßnahmen zur Gesundheitsförderung hier nicht nur Gesundheit, sondern auch Lebens- und Arbeitsqualität erheblich verbessern.
Storyline:
Die folgende Geschichte ist leider wahr… Eine Schale Obst solle in jedem Stockwerk eines Vorstandsgebäudes stehen, so einer der nicht sonderlich kreativen aber sicher sinnvollen Vorschläge der Gesundheitskommission, bei der ich mitwirken durfte. Doch wie soll die Bezahlung des Obstes organisiert werden, so die offenbar ernst gemeinte Frage. „Gar nicht!“ sagte ich vorlaut. „“Das Obst wird zentral gekauft und verteilt; man nimmt es sich einfach aus der Obstschale!“ Als wenn das so einfach wäre. „Wenn die in der Produktion sowas mitkriegen, wollen sie womöglich auch noch Obst umsonst…!“ Ja und, dachte ich immer noch naiv – doch der Vorschlag war damit längst vom Tisch.
Manchmal spinnt mein Heimatland – ich schreibe diesen Blog aus der Distanz Mexicos. Wie sollte ich jemandem hier diese Geschichte erklären; oder die, dass für Schulobst die Gegenfinanzierung des EU-Zuschusses von 20 Millionen EUR nicht aufgebracht werden konnte; wohl aber der lässig mehr als 1000-fache Betrag zur Rettung einer Bank. Die Gesundheit unserer Jugend scheint wohl nicht systemrelevant zu sein…
Bevor ich mich weiter hineinsteigere, und die Gefahr ist bei diesem Thema sehr groß, ein paar Allgemeinplätze als Basis für die folgende Diskussion. Ich schäme mich fast, darauf hinweisen zu müssen:
- Gesunde Menschen sind geistig und körperlich leistungsfähiger!
- Gesunde Menschen haben eine höhere Lebensqualität!
- Gesunde Menschen fallen seltener aus, sichern Arbeitskonstanz und Arbeitsqualität und schonen die sozialen Sicherungssysteme!
Wenn man sich das so anschaut… Ja, zum Teufel, warum ist uns dann die Gesunderhaltung der Menschen so wenig wert? Warum tun auch die Arbeitgeber so wenig; und wenn, dann meist nur Altbackenes? Ich sehe hier ein unglaublich großes Potenzial, durch intelligente Innovationen die Steigerung von Produktivität mit einer Verbesserung der Lebensqualität zu verbinden; noch dazu zu sehr geringen Kosten, die sich selbst aus rein finanzieller Perspektive schnell mehrfach amortisieren.
Suggestions:
Doch wo ansetzen? Als Ausgangspunkt für die konkreten Vorschläge will ich zunächst mit zwei etwas unseligen Gewohnheiten hart zu Gericht gehen, die sich beide großer Verbreitung erfreuen, ohne dies wirklich zu verdienen:
- Zum einen wartet die Welt immer noch viel zu sehr darauf, dass die Menschen krank werden – um sie dann mit großem pharmazeutisch-technischem Aufwand wieder zu „heilen“. Und wenn jemand nun denkt, Prävention wäre doch in aller Munde… Prävention geschieht nicht, indem man darüber redet, sondern indem man die physischen, sozialen und emotionalen Bedingungen dafür herstellt, dass Menschen gesund bleiben. Und hier ist erheblichster Handlungsbedarf!
- In diesem Sinne ist es zweitens für Arbeitgeber nicht effektiv, nur für Arbeitnehmer Mitgliedschaften und Kursteilnahmen in Fitnessstudios finanziell zu unterstützen und an Gesundheitstagen Infostände aufzubauen: Es ist nett und sicher förderungswürdig, dass aktive Menschen so günstiger und leichter aktiv und informiert bleiben können. Das wirkliche Problem sind aber die nicht Aktiven, sondern die Couch-Potatoes und bewegungsfaulen Sesselpupser, und die erreicht man so kaum. Hier gilt das Motto „Kommt der Prophet nicht zum Berg…“ und der Mensch nicht zu Orten der Gesundheitsförderung, dann müssen diese eben zu ihm kommen. Und dies gilt auch und gerade für den Arbeitsplatz: Nirgendwo sonst verbringt der Mensch so viel Zeit. Und nirgendwo sonst ist eine körperliche, geistige und soziale Balance so sinnvoll für mehr Lebensqualität UND eine bessere Arbeitseffektivität und insbesondere Arbeitsqualität.
Beschränken wir hier nur auf den gesunden Büroarbeitsplatz, könnte hier unter anderem Folgendes geschehen:
- Im Büro selbst könnten, ausgehend von den Kernfunktionen Motivation, Gesundheitsnutzen und Akzeptanz, Angebote für Bewegungsförderung sowohl in die normalen Möbel und Routinen eingebaut als auch extra an Wand, Decke oder Boden installiert werden. Neu zu entwickelnde „Bewegungsstühle“ verbinden gemütliches Arbeiten mit Möglichkeiten für aktive und passive Bewegung und Dehnung, Eingabegeräte können auch über Füße (Fußmaus) oder andere Körperteile gesteuert werden, Seile, Wandgummis und virtuell unterstützte Bewegungsspiele regen zu kurzen Pausen an.
- Besprechungsräume und Kaffeeecken könnten mit attraktiven Bewegungsgeräten ausgestattet werden, die auch Dehnungs- und Entspannungsfunktionen berücksichtigen.
- In virtuellen Netzwerken können Bewegungsaktivitäten gemeinsam mit Freunden, Familie oder spontan organisierten Partnern stattfinden, falls gewünscht unter Beratung von Gesundheitsexperten.
- Besprechungen in Kleingruppen könnten fallweise nach draußen verlagert werden; Kreativspaziergänge und Visionsdiskurse in der Natur waren seit jeher probate Mittel zum Erkenntnisgewinn.
- Für Wege zwischen Orten könnten attraktive Architekturen und Mobilitätsgeräte geschaffen werden, die Aufzug und Auto ersetzen; die Kreativtreppe, der Zwei-Wege-Roller und das Firmenrad sind nur einige Beispiele.
Questions:
In diesem Blog werde ich ausnahmsweise keine Fragen zur Anregung des weiteren Diskurses formulieren, sondern die Leser konkret um Ideen bitten: Wie sieht ein Arbeitsplatz aus, der Gesundheitsförderung, Arbeitseffektivität und Lebensqualität ideal verbindet? Für Bilder, Zeichnungen oder sonstige Darstellungsformen haben wir im Rahmen unseres Projektes Holistic Innovation Center folgende Internetadresse eingerichtet: www.holistic-innovation-center.de. Bitte klicken Sie rein, teilen Sie uns Ihre Vorschläge mit und werden Sie Teil einer großen internationalen Galerie und Inspirationsrunde zum gesunden Büro….

