Innovationen für Lebensfreude! Was wir von Vanuatu lernen können…


Challenge:

Mit Innovationen steigern wir Bruttosozialprodukt, Wettbewerbsfähigkeit und Umsatz. Aber auch unsere ? Dieses Ziel kommt in den wenigsten Programmen vor, und ist doch eigentlich eine wesentliches Ziel unseres Seins. Können wir hierzu etwas von den glücklichsten Menschen der Welt lernen? Ein reflektierter „Reisebericht“…

Storyline:

„We are the happiest planet on Earth!“ Kelson strahlte bei dieser Aussage so intensiv, dass man ihm trotz interpretationsbedürftiger Semantik sofort glauben musste. Tatsächlich belegte in der bislang wohl größten Studie zum Thema 2006 den ersten Platz auf dem Happy Planet Index. Die Ni-Vans, wie sich die Bevölkerung dort nennt, sind also die glücklichsten Menschen der Welt. Und sie sind stolz darauf. Klar, dass ich mir das anschauen musste. Sie die wirklich so ? Und wenn ja, warum, und was können wir davon lernen? Und was hat das alles mit zu tun?

Zunächst einmal: Ja, die Ni-Vans sind sehr, sehr ; ansteckend . Überall stößt man auf freundliche Gesichter; die Menschen sind immer für einen da, ohne aufdringlich hilfsbereit zu sein. Es ist immer Zeit für ein Gespräch, eine Schale Kava, ein Lächeln, eine Kokosnuss. Genug der Schwärmerei: Man muss es erlebt haben – aber bitte nur dann, wenn man sich tatsächlich auf die Menschen und ihr Glück einlässt und nicht in großer Hektik eine Foto- und Besichtigungssafari durchzieht: Weder erlebt man dann selbst die Freude, noch wird sie mit solchen Touristen in lange anhalten.

Woher kommt dieses „Glücklichsein“? Nach meinen Gesprächen und Beobachtungen sind mindestens drei Gründe dafür verantwortlich:

  1. Die intensive Harmonie mit der Natur. Ich muss zugeben, da haben die Ni-Vans einen natürlichen Wettbewerbsvorteil, der uneinholbar ist, fast unfair scheint, wenn das hier eine anwendbare Kategorie wäre: Sie leben förmlich im Paradies; es gibt im Dschungel genug zu essen und trinken, Früchte und Tiere sind irgendwie „einfach da“. Es gibt kein zu kalt, kein zu warm, keine Gefahren, nichts Giftiges. Ein Wickelrock und ein paar Kokospalmenblätter als Dach reichen, um für Alles gerüstet zu sein. Aber man muss das auch annehmen und wertschätzen, und das tun die Ni-Vans, noch…
  2. Die Sorglosigkeit. In einer solchen Umgebung ist klar, dass niemand hungern, frieren, oder sich sonstwie Gedanken über irgendetwas machen muss. Ohne Abhängigkeits- und Lohnverhältnisse fehlen Gründe für Druck und Stress – ja warum sollte es diesen auch geben. Beneidenswert.
  3. Zeit und Energie für Gemeinschaft. Die starke Gemeinschaft der Ni-Vans nimmt den letzten Rest an Problemen und verschafft den Einzelnen Freiräume für Freude und Tanz, aber auch für produktives Einbringen in das Gemeinschaftsleben. Irgendwer muss ja dann doch die Kuh schlachten, die Kavawurzel kauen, die neuen Palmenblätter befestigen. Aber mit einem „Arbeits“aufwand von wenigen Stunden pro Woche, noch dazu mit direkter Sinnstiftung und einer Atmosphäre der Fairness, ist jeder gerne dabei.

Was hat diese Urlaubs-Gefühlsduselei mit zu tun… mag mancher Leser jetzt fragen. Doch wer wirklich so fragt, den kann ich nur zurückfragen: Gibt es einen besseren Grund für als die Vermehrung der ? Eigentlich bedauerlich, dass das bei uns kaum (mehr) so wahrgenommen wird…

Suggestions:

Wie aber kann zu beitragen? Bleiben wir bei den drei Punkten oben:

  • Innovationen für Harmonie mit der Natur. Die Möglichkeiten hierzu beginnen bei den Anstrengungen zur nachhaltigen , die ich in einem früheren Blogbeitrag schon thematisiert hatte (http://www.holistic-innovation.org/blog/2010/11/23/jenseits-von-machtkampfen-und-schalen-kompromissen-%E2%80%93-viele-nachhaltigkeitsdilemmata-lassen-sich-durch-innovation-intelligent-auflosen/). Aber sie hören dort noch lange nicht auf: Wir könnten Informations-, Orientierungs- und Lernsysteme für ein Leben mit der Natur entwickeln: Welche Pilze kann man essen, wie mit Tieren umgehen; wo sind die nächsten Brombeersträucher und wie sicher ist die Bergtour? Das alles zum Beispiel angezeigt auf energieautarken nahezu unsichtbaren Folienaufstellern in der Landschaft… im Sinne von Besinnung und Natur muss es auch mal ohne Handy gehen. Wir können einen größeren Teil der Mobilität mit Muskelkraft organisieren, für Nicht-Camper attraktive Zelte entwerfen, Gärten und Grünoasen in Städten anlegen und vieles mehr.
  • Innovationen für Sorglosigkeit. Unsere aktuellen politisch-ökonomischen Entwicklungen weisen leider genau in die andere Richtung. Eigenverantwortung klingt so schön, aber wenn etwas in die Hosen geht, oder wenn die Ressourcen für Eigenverantwortung gar nicht da sind, was dann? Nein, solange Gier stärker gefördert wird als Solidarität und Fairness, wird ein Großteil der Menschen unter Druck leben und daran leiden; das Gegenteil von Sorglosigkeit. Und es ist tatsächlich eine Herausforderung für Innovatoren, im Diskurs mit allen Stakeholder der Gesellschaft ein System zu entwickeln, das  nachhaltig und fair funktionieren könnte, das dem Verfolgen von Machtinteressen genauso etwas entgegensetzen kann wie dem Sozialschmarotzertum. Einen Versuch wäre es nicht nur wert; solche Versuche sind höchste Zeit. Denn das aktuelle System fördert nicht nur alles andere als , es wird auch nicht mehr lange so funktionieren.
  • Innovationen für Zeit und Energie für die Gemeinschaft. Auch mit diesem Ziel können Innovatoren tätig werden, wie ich an nur einem Beispiel illustrieren möchte. Sowohl auf Deutschland- wie auch auf EU-Ebene wird technikgestütztes Leben (Ambient Assisted Living – AAL) mit dem Ziel gefördert, möglichst lange selbstbestimmt zu Hause leben zu können. Aber auch mit noch so eleganter Technik bleibt man alleine… dabei wäre es aus Gründen der geistigen und körperlichen Anregung, der Sinnstiftung und der einfachen Pflege und Betreuung viel besser, wenn Menschen auch und gerade im Alter zusammen leben würden. Innovatoren könnten sich also zum Ziel setzen, dieses Zusammenleben durch Innovationen attraktiv zu machen und Ängste vor einer Entwurzelung zu nehmen. Wir haben genau dies als neuen Förderschwerpunkt „Ambient Assisted Co-Living“ vorgeschlagen; weitere Infos hierzu gibt’s direkt bei mir unter efm@sportkreativwerkstatt.de .

Mit solchen Innovationen leben wir zwar noch lange nicht im glücklichsten Land der Welt. Aber wir kommen diesem zumindest deutlich näher…

Questions:

  1. Wieso kommt das Ziel „Steigerung der “ in Deutschland in nahezu keinem politischen oder Förderprogramm vor?
  2. Wie kann man Diskurse dazu organisieren, was eigentlich ist und wie man diese erreicht?

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  1. #1 von Mario am 1. Dezember 2011 - 12:23

    Der Grund wieso Lebensfreude kein erstrebenswertes Ziel ist: Glücklich sein schafft kein Wirtschaftswachstum – ganz im Gegenteil…
    Ich denke dass die Steigerung der Lebensfreude in der westlichen Zivilisation so bedeutungslos wurde, weil mittlerweile eine einzige Denkweise ausnahmslos jeden unserer Lebensbereich (zumindest der meisten Menschen) bestimmt: die ökonomisch-monetäre. Und jenen denen Mut und Zeit fehlt sich selbst Gedanken darüber zu machen, wird oft nie bewusst, in welchem anthropogen geschaffenen Hamsterrad sie sich befinden.
    Jedes Kind welches das Licht dieser Welt erblickt, bekommt spätestens ab Kindergarteneintritt offensichtlich und/oder zumindest subtil von allen Seiten erklärt: Schau dass du (beruflich) was aus dir machst, setze dich gegen deine Konkurrenten durch, sonst tun sie es. Leiste mehr als andere. Setze dich ab. Etwas zu drastisch ausgedrückt sogar vielleicht: Sei asozial. Zwischenmenschliche Werte und die Rückgesinnung auf ein freies, selbstbestimmtes Leben in dem Glück aus etwas anderem besteht als aus Ablenkung der Misere durch Konsum kommen deutlich zu kurz. Und die Wirtschaft (und die von ihr gegeißelte Politik, deren Aufgabe ist Arbeitsplätze um jeden Preis zu schaffen) hat sicher kein Interesse daran dies zu ändern. Denn glücklich sein mit dem Vorhandenen bedeutet ökomischen Stillstand.
    Abschließend möchte ich darauf hinweisen dass die vorhergehenden Formulierungen teilweise etwas überspitzt und einseitig dargestellt sind, ein gewisser Wahrheitsgehalt ist meiner Meinung nach aber nicht abzustreiten.

(wird nicht veröffentlicht)


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